100 Jahre Salvador Allende

Marcel Kunzmann 26.06.2008 01:31 Themen: Antifa Soziale Kämpfe Weltweit
Heute vor genau 100 Jahren ist Salvador Allende, hierzulande wohl fast niemandem mehr ein Begriff, geboren. Doch jener chilenische Staatspräsident stand für einen friedlichen und demokratischen Weg zum Sozialismus in Lateinamerika. Bis zu seiner Ermordung 1973 kämpfte er stets gegen das Elend der Welt und in seinem Land Chile, gegen Ausbeutung und Armut.
Angefangen hat das alles jedoch am 26. Juni 1908 in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso, in der Allende an jenem Tage geboren wurde.
Schon in den 1920er Jahren wurde der junge Medizinstudent politisch aktiv, er beteiligte sich an Protesten gegen die Diktatur von Oberst Carlos Ibáñez del Campo und wurde zum Stellvertretenden Präsidenten der Föderation chilenischer Studenten (FECH) gewählt. 1929 wurde er Mitglied der Freimaurer. Kurz darauf, 1933, wurde er Sekretär der sozialistischen Partei, für welche er 1937 ins Parlament gewählt wurde. Nach mehren Präsidentschaftskandidaturen und Niederlagen belegte er einige öffentliche Ämter, u.a. wurde der junge Mediziner Gesundheitsminister Chiles.
1969 hat sich die „Unidat Popular“ ein Parteienbündnis mit der sozialistischen, kommunistischen und sozialdemokratischen Partei gegründet.
Mit der „Unidat Popular“ errang Allende bei der Präsidentschaftswahl 1970 schließlich die Absolute Mehrheit und wurde damit der erste frei gewählte Staatspräsident Lateinamerikas der sich zum Marxismus bekannte.
Kurz nach seiner Wahl überlebte er nur knapp einen von der CIA mitfinanzierten Mordanschlag.
Chile war damals noch ein unterentwickeltes Entwicklungsland, ein Agrarstaat in dem das Frauenwahlrecht erst 1949 Einzug fand. Allende hat hier großes bewirkt:
In seiner Regierungszeit wurden die Löhne für die Mittel- und Unterschicht um bis zu 60% erhöht, während die Preise für Miete und Grundnahrungsmittel stagnierten. Schulbildung und Gesundheitsversorgung wurden kostenfrei angeboten: So bekam jedes Kind Schuhe sowie täglich einen Liter Gratismilch. Die Kindersterblichkeitsrate sank um 20 %. Die Arbeitslosigkeit sank von 8,8 Prozent bei Allendes Amtsantritt auf 3,7 Prozent. Im Jahr 1971 wuchs die Wirtschaft um 11 %.
Schwerpunkt seiner Wirtschaftspolitik war jedoch die Enteignung der Großkonzerne und die damit einhergehende Vergesellschaftung der Bodenschätze. Sämtliche Großkonzerne wurden in gesellschaftliche und demokratische Hand überführt und das Kapital somit aus Chile vertrieben.
Kurz darauf erklärten die USA ein Handelsembargo gegen Chile und die Wirtschaft stürzte in eine schwere Krise: Es kam zu Streiks und Massendemonstrationen im Juni 1973. Fast zur selben Zeit fand jedoch auch die größte Massenkundgebung Chiles mit 700.000 Personen statt, die allesamt für die Regierung Allende demonstrierten.

Doch das hat die US-Geheimdienste scheinbar wenig beeindruckt: Am 11. September 1973 begannen die CIA zusammen dem chilenischen General Augusto Pinochet einen Putsch gegen die demokratisch legitimierte Regierung Allendes.
Um 8:00 Uhr Morgens wurde eine Erklärung der Putschisten, die sich als Militärregierung bezeichneten, im Radio verlesen. Erst hier gab sich General Pinochet als Putschist zu erkennen. Kurz darauf erhielt Allende einen Anruf der Putschisten. Sie forderten seinen Rücktritt und boten ihm im Gegenzug an, ihn sofort mit seiner Familie außer Landes zu fliegen. Er lehnte dies entschieden ab.

Zur Mittagszeit wurde dann begonnen den Präsidentenpalast sowie Regierungsfreundliche Radiosender zu bombardieren, um 14 Uhr wurde das Gebäude von den Militärs erstürmt und Salvador Allende fand seinen Tod als Märtyrer für den Sozialismus.

Kurz darauf bekannte sich US-Außenminister Henry Kissinger dazu,
„die größtmöglichen Voraussetzungen“ für den Putsch geschaffen zu haben: Das Kapital jubelte, während der Faschismus an die Macht kam. Der grausame Militärdiktator Augusto Pinochet, einst General unter Allende, errichtete Konzentrationslager und ein bestialisches Terrorregime über welches die CDU hierzulange in Jubel ausbrach. Folter und Todesstrafe waren an der Tagesordnung, oppositionelle wurden in die Wüste geschickt oder erschossen. Auch in den 80er Jahren wurden zu Massendemonstrationen über 100.000 Menschen vom Pinochet-Regime festgenommen, bespitzelt und verfolgt welches bis zu dessen Ende 1990 von den USA unterstützt wurde.
Aus dem demokratischen, sozialistischen Chile wurde mit US-Amerikanischer Unterstützung über Nacht ein Terrorregiment das nur des Profites wegen Jahrzehnte andauern sollte.

So geriet Allende langsam in Vergessenheit, insbesondere in den westlichen Ländern wurde er kaum geehrt, während in Ost-Berlin ein Stadtvierel nach ihm benannt wurde.
Erst Jahrzehnte später, 1998, sollte in Lateinamerika mit Hugo Chávez wieder ein ebenbürtiger Präsident einen neuen Sozialismus für Lateinamerika schaffen, der sich seit über einem Jahrzehnt nun zu bewähren scheint.
Deshalb: Gerade zu seinem 100. Geburtstag, am 26. Juni 2008 sollten wir diesem großen Menschen gedenken der auch vor seinem eigenen Todesopfer nicht zurückschreckte um den Faschismus zu bekämpfen und Freiheit und Sozialismus zu schützen.
Public Domain Dedication Dieses Werk ist gemeinfrei im Sinne der Public Domain
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Musikband mit Bezug zur Zeit

Chile 1970 26.06.2008 - 11:14
Ein sehr sehr guter Artikel, ergänzend möchte ich noch eine Musikband zum Artikel hinzufügen, die ihren Namen dieser Zeit gewidmet hat und ihr Album kostenlos zum Download anbietet (SKA). http://www.jamendo.com/de/artist/chili.70

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 7 Kommentare an

Allende, presente! — Víctor Jara

!! — tzz

Freiheit ist Sklaverei! — Ernesto Durruti@tzz

Desinformation — PS von E.D.

Anitsemitismus usw. — Ach egal....