Bln: Bericht letzte autonome Vollversammlung

protokolli 03.07.2008 18:08
Spät aber immerhin: Ein Bericht aus Berlin zur letzten autonomen Vollversammlung am 13.06. - natürlich lückenhaft und subjektiv
Auftakt und Rückblick Aktionstage

Zur VV hatten sich im gut gefüllten Sportraum der Köpi rund 80 Personen eingefunden. Angekündigt war das Thema Stadtumstrukturierung, doch da der Wunsch bestand, die gerade vergangenen Aktionstage wenigstens einmal anzusprechen, wurde zunächst eine Runde dazu gemacht. Hier wurden u. a. folgende Punkte angesprochen, die jetzt einfach mal nach positiver und negativer Kritik geordnet werden.

Positiv:

- Unterschiedliche Gruppen mit unter-schiedlichen Ansätzen beteiligt
- gute Infrastruktur
- Öffentliche Aufmerksamkeit geschaffen, Themen sichtbar gemacht

Negativ:

- zu szenelastig, bzw. Berlin-lastig
- zu wenig die "eigenen" Medien bearbeitet
- Repression war stärker als erwartet

Zur Repression wurde dann noch angefügt, dass von 61 Festnahmen ausgegangen wird. Eine Repressionschronik ist in Arbeit und muss gefüttert werden. Die entsprechende Mailadresse gibt es mittlerweile: wba-antirep[at]riseup.net. Alle GeSa-Einsitzenden aus der Nacht von Donnerstag zu Freitag werden gebeten, sich wegen des Todesfalls eines Einsitzenden an die Vorgänge in der Nacht zu erinnern und evtl. Gedächtnisprotokolle anzufertigen.


Stadtumstrukturierung

Dann war das Thema Stadtumstrukturierung an der Reihe. Die Diskussion dazu lief wie immer recht chaotisch, aber das muss ja nichts schlechtes heißen. Jedenfalls soll hier versucht werden, die verschiedenen Beiträge ein bisschen strukturiert zusammenzufassen.

Zunächst wurde über die Bedingungen der politischen Arbeit gegen Gentrification und steigenden Mieten gesprochen. Mehrmals wurde dabei gesagt, dass man es hier mit dem Problem der Individualisierung der Betroffenen zu tun habe, und deshalb besondere Anstrengungen nötig seien. Ob Mieterhöhung oder Hausräumung - alles geschieht relativ kleinteilig, zum Teil ist das sogar die bewusste Strategie einzelner Verwaltungen. Daher wurde sich für eine offensive Auseinandersetzung und starke Vernetzung ausgesprochen um hier dagegen zu halten. Die Kämpfe um die Stadt sollten in die Kieze getragen werden und besonders versuchen unpolitische Leute anzusprechen. Selbst eine Öffnung der Wir Bleiben Alle - Vollversammlungen gegenüber bürgerlichen Kreisen wurde vorgeschlagen. Allerdings wurde auch betont, dass eine breite Öffnung gegenüber gemäßigten Kreisen auch eine stetige Kritik der eigenen Rolle in einem solchen Vernetzungsprozess braucht.

Eine erste Idee zur Annäherung an Mieter_innen war der Vorschlag, eine "Task Force Mieter_innenschutz" zu bilden. Wenn irgendwo Mieterhöhungen angekündigt oder Kündigungen ausgesprochen werden, sollte es eine Gruppe geben, die zu den Leuten geht und vor Ort hilft. Der Vorschlag wurde nach der VV weiter besprochen, vielleicht gibt es hier ja bald was zu hören. In einem Input wurde dann noch die Vorbereitung einer Kiezkampagne gegen Mieterhöhungen speziell für den Bereich "SO36" vorgestellt.

Dann kam der Flughafen Tempelhof ins Gespräch, hier gab es einen kleinen Input. Nach der Schließung des Flugbetriebes Ende Oktober werden vier Millionen Quadratmeter Stadtfläche frei werden - Platz genug für neue Freiräume. Der Senat hat für die Nachnutzung schon Konzepte vorgestellt, die die Anlegung neuer "innovativer" Wohnanlagen vorsehen und zudem die "Kreativ- und Kulturwirt-schaft" nach Tempelhof holen wollen. Die Mehrheit der Redebeiträge sprach sich anschließend aufgrund dieser Aussicht auf weitere Investitionsprojekte und Verdrängungsprozesse prinzipiell dafür aus, "Tempelhof" zum Gegenstand linksradikaler Stadtpolitik zu machen. Es gab aber auch einzelne Stimmen, die meinten, bei Tempelhof gäbe es nichts mehr zu machen, bzw. fragten, warum man zu Tempelhof arbeiten solle, wenn viele der Anwesenden dort gar nicht wohnen würden und es in den "eigenen" Kiezen genug zu tun gäbe.

Nach diesem Stimmungsbild wurde es dann ein wenig konkreter, verschiedene Ideen wurden genannt, die nun wieder in Stichpunkten folgen:

- Tempelhof-Aktionen eignen sich für Öffentlichkeitsarbeit, Bündnisse und Vermittlung
linksradikaler Inhalte
- Konzept des Senats mit Gegenkonzept angreifen
- Tempelhof mit angrenzenden Bezirken in Verbindung bringen
- Tempelhof begehbar machen
- Alternative Ideensammlung zur Nachnutzung
- Infostände in den umliegenden Kiezen

Diese Auflistung bietet nur eine grobe Übersicht, manche Ideen sind vielleicht noch nicht ganz spruchreif. Zur weiteren Arbeit hat sich mittlerweile eine AG gebildet. Die Kontaktadresse ist: wba-tempelhof[at]riseup.net. Angemerkt wurde noch, dass bei allem Aktionismus zu Tempelhof eine logische Argumentation als Grundlage gebraucht wird, wenn man es ernst meint mit dem Ziel, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Außerdem sollte man sich auch dessen bewusst sein, dass linksradikale Aktionen zu Tempelhof evtl. bewirken, dass der Senat die eigenen Pläne schneller verwirklichen wird, da er dann unter Druck steht.

Das zweite Handlungsfeld wurde dann mit MediaSpree/O2-World eröffnet. Dabei wurde vor allem die Zeit nach der Abstimmung zum Bürger_innenbegehren ins Auge gefasst. Wie es scheint, soll die O2-Arena Mitte September mit großem Trara eröffnet werden. Obwohl die Arena als solches nicht mehr zu verhindern ist, wurde vorgeschlagen zu diesem Zeitpunkt die Eröffnungsfeierlichkeiten kritisch zu begleiten. Verschiedene Aktionsformen standen dazu im Raum, auch hier gründete sich eine AG, deren Kontaktadresse ist: no2world[at]riseup.net. Ein Redebeitrag thematisierte dann noch die sogenannte "Anschutz-Problematik", zu der an dieser Stelle aber leider nichts mehr gesagt werden kann. Vielleicht gibt es hier ja noch einen helfenden Hinweis.

Bei allen Ideen zu Tempelhof, O2 und Co wurde dann aber auch angesprochen, dass bei der politischen Arbeit zur Stadtumstrukturierung doch auch die bedrohten Freiraumprojekte nicht vergessen werden sollten. Hier mangele es oft an notwendiger Solidarität.


Kritik an der VV

Ein wichtiger Kritikpunkt gegen Ende der VV war dann der Hinweis auf die zu kurz gekommene inhaltliche Diskussion. Mehrere Anwesende machten hier deutlich, dass eine linksradikale theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stadtumstrukturierung langsam überfällig wird und oft hinter den ganzen Aktionen vergessen wird. Dem wurde entgegnet, dass die Inhalte ja schon da wären und sich ja jede und jeder auch einmal selbst informieren könnte. Allerdings wurde dann auch klar gestellt, dass gerade die Frage nach der eigenen Rolle innerhalb der Gentrification nur in den aktiven politischen Kreisen besprochen werden kann. Als Folge dieser Debatte will sich nun eine Theoriegruppe bilden und einen Umgang mit den inhaltlichen Defiziten suchen. Außerdem wurde auf das angekündigte WBA-Wochenende als Ort gemeinsamer Diskussionen verwiesen und jemand von der ALB stellte eine schon vorhandene Broschüre zu dem Thema vor.

Das gemeinsame Plenum endete dann und nach einer Pause wurde noch in den AGen weitergemacht. Aufgrund der langen Zeit zwischen VV und Bericht, bzw. unverständlicher Aufzeichnungen muss hier leider auf die Ankündigungen am Ende des Plenums verzichtet werden. Aber vielleicht gibt es da ja - wie zur gesamten VV - noch ein paar Ergänzungen.
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Ergänzungen

nächste VV

protokolli 03.07.2008 - 18:40
und noch die Ankündigung der nächsten autonomen Vollversammlung:

Autonome VV im Köpi-Sportraum, 13.07., 19:30

"Sommer, Sonne, Widerstand". Wenn ihr noch nicht wisst wo und wann ihr im Sommer und nächstes Frühjahr eure Zelte aufschlagen wollt, dann kommt zur autonomen VV. Damit das Zelten nicht langweilig wird, sind auch alle aktionistischen und bewegungsfreudigen Ideen willkommen, wie wir uns in den jeweiligen Zeltlagern einbringen könnten. Wir versuchen die verschiedenen Vorbereitungsgruppen der einzelnen Camps einzuladen und möchten euch vor allem inhaltliche und aktionistische Inputs geben. Fragen und Diskussionen über Sinn und Unsinn vom Campen sind wie immer willkommen.
Darum gehts:
- Sommer-Camp an und in der Freien Republik Rosa Heide (Bombodrom) - Für eine FREIe HEIDe (18.-21.7.2008)
- Antirassistisches Camp vom 16.-24.8.2008 in Hamburg.
- Klimacamp vom 15.-24.8. in Hamburg - für ein ganz anderes Klima.
- Berliner Antimilitaristisches Plenum auf dem Weg zum Nato-Gipfel, April 2009.
- Camp in Diyarbakir/Kurdistan (Mai 2009)

todesfall

protokolli 04.07.2008 - 01:32
Ja stimmt, danke für die Nachfrage.

Bei dem Todesfall handelt es sich um einen 18-Jährigen, der zusammen mit seinen Freunden am Abend in Spandau wegen angeblicher Randale festgenommen wurde. Das hatte aber nichts mit den Aktionstagen zu tun. Er wurde in die GeSa Tempelhof gebracht, dort hat er sich dann in seiner Zelle erhängt. Während dieser Zeit saßen in den umliegenden Zellen eine Menge Leute ein, die am Tag im Zusammenhang mit den Aktionstagen festgenommen wurden. Da nun geklärt werden muss, warum er dort in der GeSa gestorben ist und welche Schuld die Bullen dabei haben, können vielleicht Beobachtungen hilfreich sein, die die Leute in den Zellen gemacht haben. Darum gehts.

Brunnen 183 akut bedroht

umsonst 04.07.2008 - 11:58
Das Hausprojekt Brunnenstr. 183 (Umsonstladen etc.) ist wieder akut bedroht. Wie die taz gestern berichtete, ist der mit dem Bezirk ausgehandelte Kompromiss anscheinend an den Senatsfinanzbehörden gescheitert.


SPD-Senator blockiert Idee der SPD-Basis
Kompromiss war umsonst

Der rettende Deal für das Hausprojekt in der Brunnenstraße 183 in Berlin-Mitte wird wohl scheitern. Der Liegenschaftsfonds verweigert den vom Bezirk initiierten Verkauf eines Ersatzgrundstücks. Dem Haus droht jetzt wieder die Räumung. VON PETER NOWAK

Die Perspektive für die BewohnerInnen der Brunnenstraße 183 und die NutzerInnen des dortigen Umsonstladens ist wieder völlig unsicher. Denn der vom Bezirk Mitte nach jahrelangen Auseinandersetzungen angestrebte Kompromiss mit dem Eigentümer der Immobilie wird wohl an Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) scheitern.

Der Passauer Arzt Manfred Kronawitter, Eigentümer des Hauses, hatte unter tatkräftiger Mitwirkung des Bezirks einen Grundstückstausch vereinbart. Der Altbau in der Brunnenstraße 183 sollte auf einen von den BewohnerInnen des Umsonstladens gegründeten Verein übertragen werden. Kronawitter sollte die Möglichkeit bekommen, ein Ersatzgrundstück in der Ackerstraße zu kaufen.

Doch für das ist der Liegenschaftsfonds zuständig, der dem Finanzsenator untersteht. Sarrazin aber lehnt den Grundstückstausch ab. "Es geht nicht darum, einen Kompromiss zu verhindern. Aber das Grundstück in der Ackerstraße steht definitiv nicht zur Verfügung. Es ist für eine anderweitige Nutzung vorgesehen", sagte Sarrazins Sprecherin Kristina Tschenett der taz.

Der Bürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), bedauert die Absage. Er habe natürlich Verständnis dafür, dass der Liegenschaftsfonds so viel Geld wie möglich mit den Grundstück verdienen will. Doch die Kommunen könnten auch mit den ihnen gehörenden Grundstücken politische Lenkungsfunktionen wahrnehmen. Hanke befürchtet, dass jetzt wieder alles seinen gerichtlichen Gang geht. Kronawitter hatte die bisherigen Räumungsklagen nicht aufgehoben, sondern nur ausgesetzt.

Auch der SPD-Abgeordnete Markus Pauzenberger ist über das Veto seines Parteifreundes Sarrazin sehr unglücklich: "Der Kompromiss bot die einmalige Chance, zwei absolut unterstützenswerte Projekte im Bezirk voranzutreiben." Dazu gehört für den SPD-Politiker neben dem Umsonstladen auch das von Manfred Kronawitter geplante Mehrgenerationenhaus. Pauzenberger will aber auch nach dem Nein des Finanzsenators weitere Kompromissmöglichkeiten ausloten.

Die BewohnerInnen fühlen sich verschaukelt. "Es scheint, dass Sarrazin keine alternativen Projekte in Mitte will", meint Umsonstladen-Aktivist Frederike Stein. Sie kritisierte auch, dass sich Klaus Wowereit (SPD) aus der Angelegenheit völlig raushält. Dabei habe der Regierende Bürgermeister vor zwei Jahren bei einem Wahlkampfspaziergang seine Unterschrift für den Erhalt des Umsonstladens gegeben. Der Beweis kann im Umsonstladen schwarz auf weiß besichtigt werden.


 http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/kompromiss-war-umsonst/

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Mein Senf — berliner_Antifa

Zur Einbindung — YaXa

@Berliner Antifa — senf und ketchup

todesfall? — antifa

Antwort — berliner_Antifa