Sachsen & der NSU: Terror unter dieser Nummer

Freundeskreis Gamma 29.05.2012 21:55 Themen: Antifa Antirassismus Blogwire Medien
Von nichts gewusst – das ist die offizielle Erzählung sächsischer Behörden zum “Nationalsozialistischen Untergrund”. Die Jenaer Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten seit 1998 Unterschlupf in Chemnitz und Zwickau gefunden, hier bekamen sie Unterstützung von einem Helfernetzwerk aus “Blood & Honour”-Kreisen (GAMMA berichtete). Nun verdichten sich die Hinweise, dass auch Personal des Sächsischen Innenministeriums zu den Mitwissern gehörte.
Hotline für Rechtsterroristen?

So berichtet der Berliner Kurier heute über auffällige Handyverbindungen Beate Zschäpes am 4. November 2011: “Etwas mehr als [eine] Stunde, nachdem sie ihre Wohnung in der Frühlingsstraße 26 in die Luft jagte, versuchte jemand Zschäpe anzurufen. Das Pikante: Die anrufende Nummer ist im Sächsischen Staatsministerium des Inneren registriert.” Am selben Tag hatten sich Mundlos und Böhnhardt selbst gerichtet.

Nach GAMMA-Informationen liegt diesen Informationen eine authentische Akte des BKA zugrunde. Demnach wurden allein am 4. November insgesamt 72 Verbindungen von und zu Zschäpes Handy hergestellt. Dies ergab eine so genannte Funkzellenabfrage. Zu den Kontakten Zschäpes gehörten der wegen NSU-Unterstützung bereits inhaftierte André Eminger sowie eine bislang unbekannte Frau aus Hennigsdorf, die offenbar in engem Kontakt zu Eminger stand oder ihm ihr Handy überlassen hatte.

Die Behörden stießen auf vier weitere Handynummern, die in Verbindung zu Zschäpes Anschluss standen. Darunter zwei Anschlüsse, die auf das Polizeirevier Zwickau-West (Polizeidirektion Südwestsachsen) registriert sind, sowie eine Nummer, für die kein Anschlussinhaber registriert ist (“Nullauskunft”). Die große Überraschung: Im Protokoll stehen auch zwei Telefonnummern, die laut Providerauskunft dem Sächsischen Staatsministerium des Inneren gehören.

Insgesamt 20 Mal wurde von dort Zschäpes Nummer angewählt. Zschäpe war zu dem Zeitpunkt vermutlich bereits auf der Flucht. Erst in den Tagen darauf wurde klar, um wen es sich eigentlich handelt.

Bis dato haben sächsische Behörden eine Involvierung in den NSU mehrfach zurückgewiesen, allerdings noch keine Stellung zu den neuesten Presseberichten bezogen. Auch nicht zum kürzlich veröffentlichten Abschlussbericht der Thüringer Untersuchungskommission (“Schäfer-Gutachten”). Diese hatte auch Unterlagen sächsischer Behörden herangezogen – die aber unvollständig waren.

Im Bericht wurden u.a. Abhörmaßnahmen gegen den mutmaßlichen NSU-Unterstützer und sächsischen “Blood & Honour”-Chef Jan Botho Werner anno 1998 geschildert. Demnach stand auch Werner in Kontakt mit einem Handyanschluss, der auf ein Innenministerium registriert war. Womöglich handelte es sich damals um Carsten Szczepanski – auch bekannt als V-Mann “Piato”. Der befand ich damals selbst in Chemnitz und galt als Kontaktmann der britischen Terrorgruppe “Combat 18″.

Im Jahr 2000 war Szczepanski in eine rechtsterroristische Zelle in Südbrandenburg verwickelt. Er kam in ein polizeiliches Zeugenschutzprogramm.

Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Auweia

Mannomann 31.05.2012 - 07:25
ja ne is klar, das belegt, dass das Sächsische Innenministerium in zehn Morde involviert. Oder nein, noch besser, diese sogar in Auftrag gegeben hat. Gut, dass ihr nicht in der Justiz hockt, da würde es Verurteilungen hageln aufgrund auf Vermutungen die in das verschrobene Weltbild des piefig-miefigen Ost-Antifa-Spiessers passen. Zur Erklärung: die Telefone der Polizei sind auf das Sächsische Staatsministerium des Innern registriert. Das Innenministerium Sachsens hat, wie in anderen Bundesländern auch, die Dienst- und Fachaufsicht über die Polizei. Die Telefone werden aus Kostengründen zentral beschafft und auf das Ministerium registriert. Ist doch wohl völlig logisch, dass die Polizei nach einem solchen Großbrandwie in Zwickau x-mal auf dem Handy der Mieterin/Wohnungsinhaberin anruft. Aber nein, eure Version klingt natürlich spannender und so herrlich verrucht...

Kritik

Bert 31.05.2012 - 12:25
Im Text steht aber, dass Zschäpe erst nach der Explosion angerufen wurde.

Vielleicht sollte man lieber nicht gleich jedes einzelne bekannte Detail heraus poltern, sondern lieber noch etwas warten und ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen. Schön wäre es, wenn man sich auf alte "Tugenden" besinnt, statt sich zum beliebigen Boulevard Antifa Recherche Käseblatt Artikel Schreiber zu degradieren.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 4 Kommentare an

Verschwörung? — Antifa

@Verschwoerer-Antifa — (muss ausgefüllt werden)

@mannomann — weiohwei